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Musikvideo selbst drehen

Tipps vom Profi

Handykameras werden immer besser. Was hältst du von Instagram-Filtern und DIY-Videos?

Auch wenn ich mein Geld mit professioneller Produktion von Videos und Fotografie verdiene, bin ich der letzte, der dagegen etwas sagt. Schließlich habe ich einst selbst mit der Do-it-yourself-Mentalität begonnen, was mich letztlich auch auf meinen Weg als Selbständiger gebracht hat. Wenn es also mal schnell gehen soll und man Bock drauf hat, klar doch: Handykamera raus, zack-zack Foto rinn in dä Box, Filter druff, Upload. Letzten Endes hängt es aber auch stark von den Machern des jeweiligen Fotos oder Videos ab. Es geht nicht um die verwendete Technik. Die ist lediglich ein Werkzeug. Es geht um Kreativität und an Spaß an der Sache.

Erkennst du den Unterschied, ob Profi oder Amateur am Werk war? Was macht den Unterschied im Ergebnis aus?

Das größte Problem beim Selber-machen ist v. a., dass man sein Produkt, ob Musikvideo, Albumcover oder Bandbanner, irgendwann nicht mehr objektiv betrachtet. Wenn ich lange an etwas gearbeitet habe, geht mir das nicht anders. Der Profi hat aber den Vorteil, täglich an vielen verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen Grundvoraussetzungen zu arbeiten. Somit gehen bestimmte Dinge irgendwann einfach in Fleisch und Blut über. Der Amateur macht Fehler, die er sich mitunter eigentlich nicht erlauben darf. Wozu ein Imagevideo produzieren - nichts anderes ist ein Musikvideo - wenn das eigene Image danach schlechter ist als zuvor? Von werdenden Kunden, die es zuvor selbst gemacht oder irgendwo billig haben produzieren lassen, höre ich nach der Äußerung konstruktiver Kritik meinerseits dann mitunter den leicht schmollenden Satz: „Mir selbst gefällt mein Video aber trotzdem!“ – nur, wie genau bringt das weiter?

Was bedeutet das Visuelle in der Musik?

Während die Viva- und MTV-Zeiten mit Musikvideos in Dauerschleife schon ewig vorbei sind, sind Vimeo, Youtube & Co. mehr denn je ein Kanal für Musikvideos, Videointerviews und Imageaufnahmen. In diesem Zusammenhang funktioniert ja schon ein Musikvideo mit einem einzigen Standbild besser als gar kein Musikvideo. Foto und Film in Summe macht gutes Bandmarketing. Alleinstehende Texte in Zeiten schrumpfender Aufmerksamkeitsspann… - oh, schau mal, ein süßes Kätzchen!

Wer gesehen und gehört werden will, darf sich heute nicht mehr auf reinen Text verlassen: Matthias Gottwald im Interview. Mit Bild und Ton.

ab 1:26: zu Handykameras und DIY-Videos

ab 3:03: War ein Profi oder Amateur am Werk – was macht den Unterschied aus?

ab 5:16: Was bedeutet das Visuelle in der Musik?

ab 6:19: Worauf ist bei der Produktion eines Musikvideos zu achten (Herausforderungen)?

Was ist die Herausforderung bei der Produktion eines Musikvideos? Worauf muss ich achten?

Es geht im Wesentlichen um drei Dinge:

Eingesetzte Technik: Ich selbst arbeite als Einzelkämpfer mit meinen Canon-Kameras 5D Mark IV und Mark III, weil mich das Bildergebnis überzeugt und sie als flexible Werkzeuge alle Einstellmöglichkeiten für verschiedenste Aufnahmebereiche bieten. Wenn ihr mit einer Handykamera Videos dreht und auf einen modernen Look abzielt, dann heißt es genau wie im Profibereich: Licht setzen! Und möglichst viel davon. Insbesondere bei diesen geilen Slow-Mo Szenen ist das unumgehbar. Je steuerbarer das Licht an eurem Set ist, desto schneller kommt ihr beim Dreh voran und müsst nicht auf die Sonne warten. Und desto professioneller wirkt auch das fertige Musikvideo. Darüber hinaus gehören ein Stativ sowie ein Kameraslider oder Gimbal zur Bildstabilisierung in jede Grundausrüstung – keiner mag verwackelte Bilder! Und wenn ihr Drohnenfans seid – hey, go for it!

Organisation: Sobald eine gute Idee/Story (!) und bei vielen zu drehenden Einzelszenen möglichst auch ein Skript steht, und evtl. Komparsen und Helfer eingeplant sind, geht es ans Umsetzen: Location festmachen, Drehgenehmigungen einholen, Drehtage terminieren und an alle kommunizieren, Catering planen (denn nur ein voller Magen rockt gut). Wer setzt das Licht? Wer behält die abzudrehenden Szenen im Blick? Wer übernimmt den Dreh und Schnitt des Making Ofs als zusätzliche, das eigentliche Musikvideo anteasernde Werbemaßnahme? Und hey, Herr Kameramann: Speicherkarten leer, Akkus voll! Und ich meine es ernst mit den Helfern: Ihr als Band konzentriert euch auf eure eigene Performance und nicht das Schmieren der Pausenbrötchen! Danach Schnitt und Color Grading, also das Abstimmen der Farben, Helligkeiten und Kontraste aller Einzelszenen aufeinander… Wer übernimmt das?

Kreativität: All das hilft nix, sollte keiner von euch ein Auge für ein „gutes“ Bild haben, dann könnt ihr getreu dem Motto „Zeit ist Geld“ auch gleich zum Profi gehen, der sich täglich mit all diesen Punkten und mehr beschäftigt. Aber traut euch: Selbst eigene Schritte gehen und Erfahrungen in neuen Bereichen sammeln hat schließlich noch keinem geschadet. Schickt mir gern eure selbstproduzierten Ergebnisse für konstruktives Feedback. Ich bin gespannt!

Das Bandfoto ist im Upcoming Bereich nicht selten ein Indiz, dass man doch noch nicht so ganz professionell dabei ist. Hast du Tipps?

Das ist nicht so arg anders als beim Musikvideo: die eigene Technik beherrschen, kreativ sein mit Spaß an der Sache, in der Nachbearbeitung rumprobieren bis es passt. Und nie vergessen: Feedback einholen, möglichst nicht im eigenen Freundeskreis oder der Familie – die finden alles immer gut. Und sich selbst nicht verarschen. Ich habe da in verschiedenen Facebook-Gruppen schon interessante Posts mitverfolgt, wo z. B. ein „Fotograf“ wegen einer Bildbearbeitung komplett auseinandergenommen wurde. Wenn er schlau war, hat er die konstruktiven Teile dieses ernüchternden Feedbacks angenommen und direkt im Anschluss den nächsten Bearbeitungsversuch gestartet. Dranbleiben, Mädels – denn was am Ende zählt… ist der Schrank!


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