80% informieren sich auf Facebook

gigmit Initiative diskutiert über zeitgemäße Promo

Live is where the money is


In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Live-Musikmarkt zu einem der wichtigsten Einkommensquellen innerhalb der Musikindustrie entwickelt. Einer der bekannten Hauptgründe dafür ist der Einkommensverlust durch physischen Verkauf sowie Musikpiraterie. Die Digitalisierung stellt KünstlerInnen und VeranstalterInnen vor Herausforderungen und ist Chance zugleich. Die Fragen von Helen Meyer von The Venue Berlin: Wie wird die richtige Zielgruppe angesprochen? Wie sieht der ideale Marketing-Mix online und offline aus? Wie vermeidet man zufällige Menschenmassen, hat aber trotzdem eine volle Tanzfläche?


Die Antworten sind vielschichtig. Wie immer kommt es drauf an. An einem Punkt waren sich die TeilnehmerInnen des Panels jedoch sofort einig: wer sein Event nicht bewirbt, kann kein Publikum erwarten – vor allem nicht in Großstädten wie Berlin.

Es ist ernster und business-mäßiger geworden


„Das Livegeschäft ist ernster und business-mäßiger geworden“, sagt Camilo Betancourt, Veranstalter und Booker im Cassiopeia aus Leidenschaft. Seit er Teenager ist, bucht der Sozialwissenschaftler Live Shows und spielt selbst in Bands. „Wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit von Konzert- und Musikfans auf sich zu ziehen, kommt man heute an Facebook und Instagram einfach nicht vorbei. Kenntnisse im Live-Event-Marketing sind ein entscheidender Schlüssel.“

Niemand ist Experte


Doch genau hier mangelt es der Branche. „Niemand ist wirklich Experte“, meint Marie Hoffmann. Sie will (und muss) mit ihrem Label NordPath Records den schwierigen Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und Wirtschaftlichkeit schaffen. Als kleiner Act zu spielen sei ohnehin nicht leicht: „Du musst eine gewisse Fan-Marke überschreiten, um für Clubs interessant zu sein.“


Niemand will einen leeren Laden. Hoffmann empfiehlt: „Formt Kollektive und veranstaltet zusammen! Das macht außerdem mehr Spaß. Als Musiker sollte man dazu alle Tools und Plattformen nutzen und deren Algorithmen und Funktionsweisen verstehen lernen.“

Clubs und Musiker sitzen im selben Boot


“80% der Konzertbesucher informieren sich auf Facebook“, sagt Steffen Rudnik vom Live Music Accelerator Berlin (LMAB). LMAB ist eine Förderinitiative von gigmit und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa zur nachhaltigen Unterstützung von MusikerInnen und VeranstalterInnen bei zeitgemäßer Konzertwerbung. Es geht um Wissensvermittlung und smartes Digitalmarketing.


„In keinem Bundesland finden mehr Konzerte statt als in Berlin. Mit der Anzahl an Konzertbesuchern reicht es aber nur für Rank 6. In Deutschland sind nur weniger als 25% aller Konzerte ausverkauft. Das ist ein ernsthaftes Problem, das wir nur lösen, wenn Clubs und Bands zusammenarbeiten. In der Wahrnehmung der Szene ist immer der andere Schuld, wenn keiner zum Konzert kommt. Clubs und Musiker sitzen aber im selben Boot.“

Daten als Chance


Noch mehr Plakate zu kleben, die nach wenigen Stunden wieder überklebt werden, könne auch unter ökologischen Aspekten keine Lösung sein. Streaming- und Fan-Daten böten stattdessen eine große Chance für effiziente Promo. Dieses Potenzial will gigmit ebenfalls weiter für seinen Matchmaking Algorithmus nutzen, verrät Steffen von gigmit: „Je mehr Daten du hast, desto genauer kannst du auch entscheiden, wer zu deinem Event kommen soll. Die Angst vor der anonymen Masse ist unbegründet, wenn man das Instrumentarium beherrscht.“


Darum hat LMAB 2018 59 Berliner Agenturen, Live-Acts, Clubs und Festivals in zweitägigen Workshops fortgebildet und jeweils zwischen 100 und 2.000 € Werbebudget bereitgestellt, um das neue Promo KnowHow auch in der Praxis erproben zu können.

Ohne Digitalmarketing geht es nicht


„Ein Poster verkauft keine Tickets“, weiß Camilo. Marie fügt hinzu: „Bis zur Ticketkaufentscheidungen ziehen Millennials bis zu 10 Quellen heran.“ Die Tendenz ist klar: ohne Digitalmarketing geht es nicht mehr. Das ist ernst zunehmen.


Wie erfolgreich die Bemühungen der LMAB-Initiative sind, wird zum Ende des Projektes am 6. November 2019 im Rahmen der Most:Wanted Music präsentiert. Weiter werden die Erkenntnisse als Handlungsempfehlungen der gigmit Community zur Verfügung gestellt. Denn erfolgreiche Konzert-Promo geht uns alle an!

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