"Künstler sind keine Wegwerfprodukte"

THE REDBOOK PROJECT im Interview

gigmit: Was ist die größte Herausforderung im Alltag einer Musikerin?


Maxx: Eine Balance zwischen Kreativ- und Businessarbeit zu finden. Onlinemarketing und das Aufstellen von Strategien, Booking, Band-Management und Planung anstehender Konzerte, Recordings, usw. nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Um weiter meiner eigentlichen Hauptarbeit – dem Kreativen – nachzukommen, suche ich zur Zeit weiter nach Unterstützung.


Ihr habt beim Live Music Accelerator Berlin mitgemacht, einem von gigmit initiierten Förderprogramm, das smartes Digitalmarketing vermitteln und damit die Musikschaffenden unterstützen will. Was bedeuten die Möglichkeiten der Digitalisierung für dich und die Musikbranche?


Vor dem Live Music Accelerator Berlin (LMAB) war Digitalisierung schon Teil meines Alltags und eine ständige Herausforderung meiner Arbeit. Mit Freunden und Mitmusikern versuchte man sich in die Materie einzuarbeiten. Wir wetteiferten, tauschten uns aus, pushten einander. Nach LMAB habe ich Digitalisierung als relevantes Thema wesentlich besser verstanden. Ich hatte endlich ein Tool, um aktiv teilzunehmen. Zuvor habe ich mit nur halbgaren Ideen versucht, gesehen und gehört zu werden. Digitalisierung ist jetzt nicht mehr nur dieses Mysterium aus Facebook, Instagram, Spotify und Co, zu dem man nur bedingt, mit viel Glück wenn man so will, Zugang findet, sondern ein Tool, das ich lerne zu nutzen aber auch kritisch zu betrachten.


Inwieweit hat das Förderprogramm die Band weitergebracht?


LMAB versprach hochwertige Workshops zu einem Thema, bei dem ich Hilfe brauchte, eine Förderung, die ich ebenfalls gut brauchen konnte, und einen riesen Pool an Leuten und Musikern, mit denen man sich connecten kann. Das zusammen war ein so wunderbares Angebot, dass ich einfach teilnehmen musste. Die Kombi aus Workshop und dem Zuschuss, um es dann am eigenen Project auszuprobieren, war genau das Richtige für mich.


Was heißt das konkret?


Ich habe nach dem Workshop mit THE REDBOOK PROJECT unsere Platte released und konnte mit Hilfe der Infos von LMAB ein gutes Online Marketing fahren, das uns zusammen mit Plakatwerbung auf der Straße 100 Leute zu unserem Release gebracht hat – und das an einem Freitag in Berlin! Nur mal als ein Beispiel.


Berlin ist ein schwieriges Pflaster – vor allem für noch unbekannte Musik. Das Angebot ist gigantisch, das Publikum schwer zu erreichen. Was bedeutet das für eure Musik?


Wir haben grade am Anfang sehr viel Gegenwind bekommen. Der gut gemeinte Ratschlag: springt doch noch auf den Deutschpo-Zug auf. Es war oft verlockend, dass kann ich nicht abstreiten. Aber diese Band war nie dazu gedacht, anderen zu gefallen, sondern uns die Freiheit zu geben uns voll und ganz auszulassen. Wir haben drei Jahre lang gemeinsam gearbeitet, gespielt und recorded. Jetzt steht unstere Musik mittig zwischen Jazz und Pop und damit genau da, wo sie sein soll und wir sind sehr stolz darauf!



Ihr steht noch am Anfang. Was wünscht du dir von der Musikindustrie?


Ich wünsche mir Qualität statt Massenproduktion und dass man langfristig miteinander arbeiten kann und dass der Fokus der Musikindustire weggeht vom kurzfristigen Cash Cowing. Künstler und ihre Musik sind keine Wegwerfprodukte, die möglichst schnell viel Kohle für die Industrie generieren. Die Industrie schießt sich, wie man bereits sieht, mit dieser Arbeitsweise selber ins Knie und viel zu viele gute Künstler werden verbogen und verfeuert. Würde die Industrie wieder langfristig mit ihren Künstlern arbeiten, hätten beide Seiten mehr davon. Echter Künstleraufbau und wirkliche kreative Entwicklung ist langfristig wirtschaftlicher und bringt auch qualitativere Musik hervor.


Was ist eure Vision?


Gegen die Konventionen, was erlaubt ist und was nicht, nur mit dem zu arbeiten, worum sich grade unser Herz und Kopf dreht und alle Regeln, wie ein Song angeblich zu sein hat, außen vor zu lassen. So entstand Song für Song, Konzert für Konzert und was wir jetzt sind und das ist außergewöhnlich. Wir treffen immer mehr Leute, die die gleiche Vision teilen. Wir finden immer mehr Unterstützung von Leuten, die genauso berührt, mitgerissen und überzeug sind von unserer Musik wie wir. Mit deren Hilfe können wir noch viel mehr machen.

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